Wie ist der Stand zur Ansiedlung eines neuen Lebensmittelnahversorgers?

- Errichtung eines Netto Marktes an der Leipziger Straße –

 

  Im Oktober 2024 wurde dem technischen Ausschuss mitgeteilt, dass sich ein Vorhabenträger bei der Gemeindeverwaltung gemeldet und um die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes gebeten hat. Dieser ist notwendig um die Ansiedlung eines Lebensmittelnahversorgers an der Leipziger Straße zu realisieren.  

 

Da dem technischen Ausschuss nur eine Skizze und ein Beschlussvorschlag vorlag, bat er den Vorhabenträger das Projekt im Gemeinderat vorzustellen. Das tat er am 22.10.2024 dann auch. Es gab Informationen zur Größe, zur Architektur und einer Analyse zur Einzelhandelssituation in Neukieritzsch. 

 

Hier setzte man die Einwohnerzahl ins Verhältnis zu den bestehenden Verkaufsflächen und verglich diese mit den Nachbarkommunen (siehe vorangegangenen Artikel). Das Ergebnis: Neukieritzsch ist im Vergleich zu den anderen Kommunen unterversorgt und eignet sich für eine Ansiedlung.

 

Da in der Gemeinderatssitzung diese Analyse in Frage gestellt wurde (der Vorhabenträger rechnet natürlich so, dass es für ihn passt), wurde uns am 19.11.2024 eine gutachterliche Stellungnahme zur Nachfragebindung und Verkaufsflächenentwicklung durch Lebensmittelmärkte

in der Gemeinde Neukieritzsch der BBE Handelsberatung GmbH nachgereicht. Diese wurde vom Vorhabenträger in Auftrag gegeben und bestätigte den Bedarf unserer Gemeinde an einem zweiten Nahversorger.

 

Zwischenzeitlich erreichte uns ein weiteres Gutachten über ein Verträglichkeitskurzcheck zu den

Auswirkungen eines Ansiedlungsvorhabens der Gemeinde Neukieritzsch als

Einzelhandelsstandort. Diesmal von der Dr. Lademann & Partner GmbH in Auftrag gegeben von der EDEKA Grundstücksgesellschaft Nordbayern-Sachsen-Thüringen mbH. 

 

Dieser zeigte im Endbericht folgendes Ergebnis: 

Obwohl ein potenzieller Lebensmitteldiscounter in Neukieritzsch große Teile seines Umsatzes über die Rückholung von derzeit aus dem Einzugsgebiet abfließender Nachfrage generieren könnte, würde der Edeka-Markt in Neukieritzsch nach den Prognosen von Dr. Lademann & Partner im Zuge der Vorhabenrealisierung etwa 15 % seiner aktuellen Umsätze verlieren.

 

…Das Vorhaben würde also in signifikantem Maße Kaufkraft aus dem Kerneinzugsgebiet des Edeka-Markts abziehen und dessen zentrale Umsatzsäule damit direkt „angreifen“. Dass der Edeka-Markt einen Umsatzrückgang von 15 % hinnehmen könnte, ohne dadurch in seinem Fortbestand gefährdet zu sein, lässt sich angesichts seiner bereits labilen Marktlage nicht annehmen. Die Toleranzschwelle gegenüber wettbewerbsinduzierten Umsatzumverteilungseffekten ist somit als sehr gering einzuschätzen und wird sich angesichts der erwartbaren Einwohnerrückgänge in Neukieritzsch künftig auch nicht erhöhen. Es ist daher vielmehr davon auszugehen, dass der Edeka-Markt in seiner ökonomischen Tragfähigkeit bereits bei einem Umsatzrückgang von weniger als 10 % gefährdet wäre („Vorbelastung“). Die ermittelte Umsatzumverteilungsquote von ca. 15 % würde also mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Betriebsaufgabe des Edeka-Markts führen.

 

Diese wiederum ginge mit einer wesentlichen Verschlechterung der verbraucher-nahen, fußläufigen Versorgung in Neukieritzsch einher, da sich der Edeka-Markt – im Gegensatz zum Projektstandort – in relativ zentraler und wohnsiedlungsstrukturell-integrierter Lage befindet. Während der Edeka-Markt für einen Großteil der Verbraucher aus dem Kernort von Neukieritzsch fußläufig sehr gut zu erreichen ist, wäre der Projektstandort fußläufig nur eingeschränkt erreichbar. Gerade für weniger mobile Bevölkerungsgruppen, die auf fußläufig erreichbare Versorgungsinfrastrukturen angewiesen sind, würde dies eine Herausforderung im alltäglichen Leben mit sich bringen. ….

 

Nach der Zusendung des Gutachtens gab der Bürgermeister Herrn Junghanns von der EDEKA am 12.11.24 nochmal die Möglichkeit im technischen Ausschuss persönlich vorzusprechen. Dort gab er Informationen zur derzeitigen wirtschaftlichen Situation des Marktes und wie diese durch den neuen Betreiber verbessert werden soll.

 

Vor allem aber machte er klar, dass die Ansiedlung eines NETTO-Marktes im Ortskern von Neukieritzsch sehr wahrscheinlich zur Schließung des EDEKA-Marktes führen wird. 

 

In der darauffolgenden TA-Sitzung durfte der neue Betreiber des EDEKA-Marktes, die Konsum Leipzig Handelsgesellschaft mbH ihren Plan vorstellen, wie in den nächsten Jahren durch Investitionen das Einkaufserlebnis im Markt verbessert werden soll. Dort wurden auch nochmals die Vorteile eines Vollsortimenters, wie Edeka im Vergleich zu einem Discounter wie Netto dargestellt. 

 

EDEKA – Vollsortimenter Sortiment umfasst zwischen 12.000 und 25.000 Artikel

NETTO – Discounter umfasst um die 5.000 Artikel 

 

Gut zu wissen: Zur EDEKA-Gruppe gehören mittlerweile neben den zahlreichen EDEKA-Filialen auch noch der Netto Marken-Discount und Marktkauf hinzu.

 

Auch der neue Betreiber deutete an, dass die Ansiedlung eines neuen Marktes wohl zur Schließung des EDEKA-Marktes führen wird.

 

Der Gemeinderat hat nun in einer seiner nächsten Sitzungen die herausfordernde Aufgabe zu entscheiden, ob eine Neuansiedlung eines weiteren Lebensmittelnahversorgers unseren Ort bereichert oder nicht.

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Veröffentlichung

So, 05. Januar 2025

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